Hier werden einige Leute vorgestellt, die von der Gift-Erde von Arica auf dem Kartoffelberg (Cerro Chuño) betroffen sind. Ich spaziere wieder durch die Morillo-Allee (avenida Morrillo) bis zum Haus der Familie Maibé.
Die Karte von Arica mit den von der schwedischen Gift-Erde vergifteten Arealen. Zuerst war die Gift-Erde am Hafen, dann 1 km vom Hafen weg an der Küste. Der vom Wind verfrachtete Staub vergiftete die gesamte Stadt vier Jahre lang, bis die Gift-Erde an den dritten Standort in der Industriezone kam, wo dann Wohnhäuser darum herumgebaut wurden.
Kartoffelberg, die Passage 3 (pasaje 3).
Kartoffelberg (Cerro Chuño), die Strassenschilder der Morrillo-Allee und der Passage 1.
Das Ende der Morrillo-Allee, wo sich das Haus der Familie Maibé befindet; eine Tafel weist auf passierende, grosse Lastwagen hin.
Zusammenfassung der Geschichten der Gift-Erde von Arica
Die Kriminalpolizei von Arica gibt an, dass es 20.901,09 Tonnen dieser Gift-Erde der schwedischen Firma „Boliden A.B. Metal“ waren. Die Firma Promel von Arica hat das irreguläre Angebot gemacht, diese Erde recyceln zu können. Die Erde wurde zuerst in der Freihandelszone des Hafens gelagert. Unter den chilenischen Verwaltungsbehörden, dem Zoll, dem Besitzer, den Gesundheitsbehörden und der Gemeinde Arica wurde gestritten, ob diese Erde überhaupt eingelassen werden sollte. 10 Jahre lang wurde so um diese Gift-Erde gestritten. Währenddessen verteilte der Meerwind den Giftstaub über die ganze Stadt, und nach 4 Jahren wurde die Erde in der damals noch unbebauten Wüste abgelagert, um die Stadt vor dem Giftstaub zu verschonen.
Um die Gifterde wurde nie ein Zaun gebaut, sondern erst im Nachhinein wurde eine Mauer um diese Gifterde gebaut. Die Chilenen waren nicht darüber informiert, dass diese Erde giftig sei, und die chilenischen Behörden gaben ebenfalls an, dass diese Erde nicht toxisch sei. Dies bestätigte auch der Geschäftsführer der Firma Promel, Marcos Beovic Vranicic, in einem Schreiben von 1984: „ist ungiftig“ („no es tóxico“). Die Metalle sollten mit Elektrolyse recycelt werden.
Das Wohnungsbauministerium bewilligte nun den Bau von Häusern um diese Gifterde herum. Es gab auch Leute, die Mauerteile raubten, um sich damit Häuser zu bauen, und die Kinder spielten mit der Gifterde, weil sich diese Erde für Spielzwecke so schön formen liess. Die Kinder spielten in der Gifterde, wie wenn es ein Sandkasten gewesen wäre. Es bildete sich sogar ein kleines Schwimmbecken, und alle Kinder haben in dieser grossen Pfütze gebadet. Vielleicht haben die Kinder diese Erde manchmal auch gegessen.
Die Firma Promel verschwand mit einem Bankrott 1991 von der Bildfläche, und nun wollte niemand mehr für das Desaster verantwortlich sein. Der Meerwind aber hatte weiter Staub verfrachtet. Dieses Mal war es der Kartoffelberg, der mit Giftstaub befrachtet worden war. Damals war der Kartoffelberg noch eine Müllhalde.
Als letzten Akt hatte die Gemeindeleitung von Arica die Idee, diese grosse Müllhalde in einen bewohnbaren Hügel und in ein Wohnquartier „Kartoffelberg“ („Cerro Chuño“) umzuwandeln. Im Zuge dieser Umgestaltung wurde ein Teil der Gifterde benutzt, um Parzellen der Häuser am Kartoffelberg zu nivellieren. Und somit wurde ein neuer Giftherd geschaffen, der Männer, Frauen, Kinder und Tiere vergiften sollte, und Pflanzen wachsen dort keine.
Im Jahre 1997 stellte das chilenische Gesundheitsamt nur 6 Metalle fest, darunter Kupfer, Arsen, Kadmium, Blei und Quecksilber. Als der Skandal um den Kartoffelberg aufflog, liess die Regierung in Santiago 5000 Blutproben analysieren, aber die Blutanalysen zeigten derart schlechte Resultate, dass kein einziges Resultat publiziert wurde. Dabei wurde erst jetzt klar, dass das Problem nicht das Blei alleine war, sondern die kombinatorische Wirkung vieler Metalle.
Ausserdem wurde festgestellt, dass die schädlichen Wirkungen der Metalle nicht direkt auf die Menschen wirkt, die mit der Erde gespielt haben, sondern erst auf die zweite Generation danach. Viele Kinder dieser zweiten Generation sind schon mit 10 bis 12 Jahren gestorben.
Angaben von Gladys de las Mercedes Ramírez Contreras:
Sie spielten mit der Gift-Erde, wie wenn es ein Sandkasten gewesen wäre. Es bildete sich ein kleines Schwimmbad und sie gingen in der grossen Pfütze schwimmen.
Ein Teil der Gift-Erde ist heute in einem „Grab“ untergebracht, das heute weit weg in den Bergen liegt, aber nur mit einer Erdschicht abgedeckt ist. Es wurde nichts versiegelt. Es fehlt ein Dach, und jede Nacht kommt von dort eine Giftwolke über Arica.
Leute, die Informationen über den Fall geben können:
- Miguel Ramirez Cornejo, Präsident der Nachbarschaftsversammlung, ramirez_cornejo@hotmail.com
- Teresa Carasco
- der Führer Oscar
- Gladys de las Mercedes Ramirez Contreras, Passage 2 Nr. 74, Villa El Solar, Arica
- der regionale Bürgermeister Fernando Castillano
Angaben von Betroffenen vom Kartoffelberg (Cerro Chuño) in Arica
Die Kinder wachsen auf und es verformen sich ihre Knochen und so wachsen sie nicht, obwohl viele Operationen gemacht werden. Die Kinder wachsen nicht, sondern bleiben klein, und das Lungenvolumen ist reduziert, und als Erwachsene sind sie nicht arbeitsfähig.
Darunter sind Kinder, die gesund geboren wurden und erst im Laufe der Zeit durch den Aufenthalt am Kartoffelberg erkrankten.
Alle betroffenen Kinder am Kartoffelberg leiden unter einer herabgesetzten Psychomotorik. Sie haben Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis und mit der Aufmerksamkeit.
Die Mehrheit der Kinder können wegen Knochenschmerzen keinen Sport treiben. Diese Knochenschmerzen kommen von niedrigen Kalkkonzentrationen in den Knochen.
Das Haus von Teresa Tarasco mit der rosaroten Gift-Erde

Eine Passage am Kartoffelberg (Cerro Chuño).

Schrittweise nähern wir uns dem Ort, wo sich im Jahre 2009 die rosarote Gift-Erde angesammelt hat.

Das Haus von Teresa Tarasco mit der rosaroten Gift-Erde 02.

Auf diesem Foto sehen wir klar die rosarote Gift-Erde. So sieht die Gift-Erde nach der Reaktion mit Wasser aus. Sie verwandelt ihre Farbe in Rosa.
Als ein Wasserhahn oberhalb ihres Hauses nicht mehr schloss, hatte Teresa Tarasco in ihrem Haus eine Überschwemmung, und die mitgeschwemmte Erde verfärbte sich rosa. Ausserdem war eine Schaum-Reaktion zu beobachten.
Wir kehren zum Haus des Regio-Bürgermeisters der Familie Maibé zurück

Kartoffelberg (Cerro Chuño), Pasaje 8.

Der Abfall in der Abfallhalde verrutscht manchmal und provoziert dann solche Strassenlöcher.

Das Haus der Familie Astudillo Maibé an der Morrillo-Allee am Kartoffelberg.
Angaben der Familienmutter, Marisol Maibé:
- viele Leute am Kartoffelberg leiden unter dauerndem Nasenbluten
- viele Frauen erleiden Fehlgeburten mit versteinerten Föten oder Totgeburten
- Menschen leiden unter Fibrose
- Menschen leiden unter fibrozystischer Mastopatie
- Menschen haben Augenprobleme
- Menschen leiden unter schmelzendem Magengeschwür
Beispiele von Tests auf Blei und Arsen am Kartoffelberg (Cerro Chuño)

Das Testresultat auf Blei von Marisol Montero.

Das Testresultat auf Blei von Carla Calderón Montero.

Das Testresultat auf Arsen von Carla Calderón Montero.
Der Fall der Tochter Eliah Pizarro Curbajal, Pasaje 2, Nr. 112
Ausschlag ohne Ende, rosa Hautflecken, Knochen- und Gelenkschmerzen

Das Gesicht des Opfers weist einen sehr intensiven Ausschlag auf, der die gesamte Gesichtshaut beeinträchtigt.

Die Haut weist rosa Flecken auf, und die Haut heilt auch nicht gut ab. Ausserdem sind Wunden an den Augenbrauen zu erkennen.

Auch die rechte Hand weist einen starken Ausschlag auf, der nicht kontrollierbar ist.

Bei der Achsel sind ganz grosse rosa Flecken sichtbar, ohne Pigmentierung.
- die giftigen Metalle bewirken, dass die Knochen nicht genügend Kalk aufnehmen
- Eliah hat Gelenkschmerzen und kann Arme und Beine nur eingeschränkt bewegen
- sie hat Hautflecken und muss dafür eine spezielle Salbe anwenden
- die Knochen trocknen wegen der fehlenden Kalkeinlagerungen aus
- sie kann praktisch nicht mehr laufen, und Sport ist nicht möglich
- sie hat grosse Hüftprobleme und kann keine Treppen mehr steigen
- die Augen bleiben trocken und es kommen keine Tränen mehr
Wir gehen zur „Aussichtsplattform“ („mirador“), um zu sehen, wo die Gift-Erde war

Wir kommen nochmals am Haus mit der rosaroten Erde vorbei.

Nun sagen mir die Leute das erste Mal, dass in dieser Zone am Kartoffelberg nichts wächst. Keine Pflanze, kein Baum, kein Rasen.
Dies ist das Territorium, wo die Gift-Erde über 10 Jahre lang gelagert wurde. Nun wurde um das Gebiet eine Mauer gebaut, aber zuvor, als die Erde dort lagerte, war dort keine starke Mauer und schon gar keine Wache. Das Territorium ist weiterhin nicht versiegelt und weiterhin verpestet der Staub dieses Territoriums den Kartoffelberg.
Der Markt auf dem Kartoffelberg („mercado Chuño“) und Graffitis

Die Menschen im Quartier wollten ein normales Leben führen, aber nichts wurde hier normal. Hier sieht man wieder, dass auf dieser Gift-Erde absolut nichts wächst.

Der Markt „Kartoffelberg“ mit einem kleinen Platz davor.

Unter der Morrillo-Allee verläuft auch noch die Öl-Pipeline. Die Gift-Erde war also nicht genug der Gefahr für die Einwohner.

Teil des grossen Zauns um die verbotene Zone, wo die Gift-Erde zuvor gelagert war.

Warnungen und Graffitis an der verbotenen Zone.
Der Fall von Alex Olivos Maibé, 17 Jahre alt
Darmprobleme, Knochenprobleme, Augenprobleme, ein taubes Ohr

Der Sohn des Regio-Bürgermeisters hat durch die Gift-Erde viele Gesundheitsprobleme.
Alex Olivos Maibé hat Magen-Darm-Probleme mit Gastritis, grosse Knochenprobleme mit Entkalkung, Augenprobleme, Gehörprobleme, ein Ohr ist inzwischen total taub, Nervosität und einen konkav verformten Fuss.
Der Fall von Diego Giovanni Astudillo Maibé, 12 Jahre alt
Hautflecken mit einer unbekannten Allergie
- unbekannte Allergie mit roten Flecken und weissem Kreis in der Mitte
- posttrombotische Allergie
- bronchiale Probleme
- Magenprobleme und chronische Verstopfung
- Knochenprobleme, kann nicht rennen
- Kopfschmerzen
Der Fall von María Cristina: Rosa Hautflecken ohne Ende

María Cristina auf einem Sessel sitzend.

María Cristina mit rosa Hautflecken am ganzen Arm.

Das Testresultat zeigt Kupfer, Arsen, Kadmium, Zink, Blei und Quecksilber an.

Das Testresultat für María Cristina mit den Metallen, Nahaufnahme.
Dokumente von Patricia Loayza Gonzales

Die Beauftragte Patricia Loayza Gonzales zeigt Dokumente.

Die Ausweiskarte von Patricia Loayza Gonzales als Leiterin in Sachen Multi-Metallvergiftungen in Arica.

Maricela Johanna Colque Amaro wurde gesund geboren und erst dann erkrankte sie. Laut Angaben leidet sie unter deformierten Beinen und wird für immer klein bleiben.

Rufina Choquehuanca Ajata leidet laut Dokument unter vielen dokumentierten Krankheiten, darunter Hyperkeratose, Kalkmangel, chronische Bronchitis, Anämie, Gastritis, chronische Nierenschwäche, Diabetes Typ 2 und weiteren Beschwerden.

Der Fall zeigt einen Bildungsrückstand in der geistigen Entwicklung bei einem 10 Jahre alten Kind auf.

Der Grad der psychisch-mentalen Behinderung beträgt 35,00 %.
Das Pulver aus Fossilien und Meermuschelschalen, um Metalle auszuleiten

Fossilien- und Meermuschel-Pulver (Fossil Shell, calidad: food) zur Ausleitung von Metallen.
Am Ende wurde ein neues Pulver präsentiert, das für die Ausleitung von Metallen aus dem Körper gut sein soll, ein Fossilien- und Meermuschelpulver.
Weitere geschilderte Fälle und Symptome:
- nephrotisches Syndrom bei Kindern
- Nierenschwierigkeiten, Aggressivität, Hyperaktivität, Bronchitis
- behinderte Kinder und Enkel
- Lernschwierigkeiten, Epilepsie, chronisches Asthma, Haarausfall
- Arthritis bereits bei Jugendlichen
- geschädigte Muskeln und starke motorische Einschränkungen
Auch Tiere und Pflanzen sterben auf dem Kartoffelberg „Chuño“
Katzen und Hunde sterben auf dem Kartoffelberg durch die Vergiftung durch die Gifterde. Auch Katzen und Hündinnen erleiden Fehlgeburten. In dieser Erde wächst nichts, keine Bäume, keine Pflanzen, keine Blumen.
Es verhält sich so, dass sich der Abfall in der Abfallhalde immer etwas bewegt, wenn die Leute ihre Bauten darauf bauen, und somit bilden sich dann in den Strassen immer wieder neue Löcher.
Weitere Fälle, die hier nicht mit Fotos gezeigt sind
Versteinerte Föten, tote Föten, abgehende Föten und Totgeburten sind hier nicht mit Fotos dokumentiert, weil keine Zeit mehr blieb. Von diesen Fällen hat die Bevölkerung aber ausgiebig berichtet. Die Dokumente zu diesen Fällen befinden sich in den Spitälern von Arica.
Die Föten gehen zum Beispiel im vierten Schwangerschaftsmonat verloren, oder der Fötus ist gar nicht ausgebildet und wird als unbeschreibbare Masse abgestossen.
Zusammenfassung
In Arica ereignet sich durch die Gifterde der Firma Promel mit ihren 14 Metallen eine schwere Gesundheitskatastrophe. Die Erde wurde als „ungiftig“ bezeichnet („no es tóxico“), obwohl die Folgen für die Bevölkerung, Tiere und Umwelt verheerend sind. Auch die Herkunftsfirma „Boliden“ wird als mitverantwortlich dargestellt, weil diese Erde nach Chile geschickt wurde.
Quellen
[web01] Fibrose: http://de.wikipedia.org/wiki/Fibrose
[web02] Mastopatie: http://de.wikipedia.org/wiki/Mastopathie
[web03] Nephrotisches Syndrom: http://de.wikipedia.org/wiki/Nephrotisches_Syndrom