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Arica 28. Kartoffelberg (Cerro Chuño): Die betroffene Bevölkerung

Die Leute haben durch die Gift-Erde der Firma Promel viele, verschiedene Krankheiten, oft rote Flecken auf der Haut, Knochenschmerzen, Gelenkschmerzen, Taubheit, Augenprobleme oder chronisches Asthma
Eliah Pizarro Carbajal, ihre Stirn ist voller Ausschlag
Eliah Pizarro Carbajal, ihre Stirn ist voller Ausschlag
Fotoreportage von Michael Palomino (2011, Fotos vom 10. Mai 2010)

Hier werden einige Leute vorgestellt, die von der Gift-Erde von Arica auf dem Kartoffelberg (Cerro Chuño) betroffen sind. Ich spaziere wieder durch die Morillo-Allee (avenida Morrillo) bis zum Haus der Familie Maibé.

Zusammenfassung der Geschichten der Gift-Erde von Arica

Die Kriminalpolizei von Arica gibt an, dass es 20.901,09 Tonnen dieser Gift-Erde der schwedischen Firma „Boliden A.B. Metal“ waren. Die Firma Promel von Arica hat das irreguläre Angebot gemacht, diese Erde recyceln zu können. Die Erde wurde zuerst in der Freihandelszone des Hafens gelagert. Unter den chilenischen Verwaltungsbehörden, dem Zoll, dem Besitzer, den Gesundheitsbehörden und der Gemeinde Arica wurde gestritten, ob diese Erde überhaupt eingelassen werden sollte. 10 Jahre lang wurde so um diese Gift-Erde gestritten. Währenddessen verteilte der Meerwind den Giftstaub über die ganze Stadt, und nach 4 Jahren wurde die Erde in der damals noch unbebauten Wüste abgelagert, um die Stadt vor dem Giftstaub zu verschonen.

Um die Gifterde wurde nie ein Zaun gebaut, sondern erst im Nachhinein wurde eine Mauer um diese Gifterde gebaut. Die Chilenen waren nicht darüber informiert, dass diese Erde giftig sei, und die chilenischen Behörden gaben ebenfalls an, dass diese Erde nicht toxisch sei. Dies bestätigte auch der Geschäftsführer der Firma Promel, Marcos Beovic Vranicic, in einem Schreiben von 1984: „ist ungiftig“ („no es tóxico“). Die Metalle sollten mit Elektrolyse recycelt werden.

Das Wohnungsbauministerium bewilligte nun den Bau von Häusern um diese Gifterde herum. Es gab auch Leute, die Mauerteile raubten, um sich damit Häuser zu bauen, und die Kinder spielten mit der Gifterde, weil sich diese Erde für Spielzwecke so schön formen liess. Die Kinder spielten in der Gifterde, wie wenn es ein Sandkasten gewesen wäre. Es bildete sich sogar ein kleines Schwimmbecken, und alle Kinder haben in dieser grossen Pfütze gebadet. Vielleicht haben die Kinder diese Erde manchmal auch gegessen.

Die Firma Promel verschwand mit einem Bankrott 1991 von der Bildfläche, und nun wollte niemand mehr für das Desaster verantwortlich sein. Der Meerwind aber hatte weiter Staub verfrachtet. Dieses Mal war es der Kartoffelberg, der mit Giftstaub befrachtet worden war. Damals war der Kartoffelberg noch eine Müllhalde.

Als letzten Akt hatte die Gemeindeleitung von Arica die Idee, diese grosse Müllhalde in einen bewohnbaren Hügel und in ein Wohnquartier „Kartoffelberg“ („Cerro Chuño“) umzuwandeln. Im Zuge dieser Umgestaltung wurde ein Teil der Gifterde benutzt, um Parzellen der Häuser am Kartoffelberg zu nivellieren. Und somit wurde ein neuer Giftherd geschaffen, der Männer, Frauen, Kinder und Tiere vergiften sollte, und Pflanzen wachsen dort keine.

Im Jahre 1997 stellte das chilenische Gesundheitsamt nur 6 Metalle fest, darunter Kupfer, Arsen, Kadmium, Blei und Quecksilber. Als der Skandal um den Kartoffelberg aufflog, liess die Regierung in Santiago 5000 Blutproben analysieren, aber die Blutanalysen zeigten derart schlechte Resultate, dass kein einziges Resultat publiziert wurde. Dabei wurde erst jetzt klar, dass das Problem nicht das Blei alleine war, sondern die kombinatorische Wirkung vieler Metalle.

Ausserdem wurde festgestellt, dass die schädlichen Wirkungen der Metalle nicht direkt auf die Menschen wirkt, die mit der Erde gespielt haben, sondern erst auf die zweite Generation danach. Viele Kinder dieser zweiten Generation sind schon mit 10 bis 12 Jahren gestorben.

Angaben von Gladys de las Mercedes Ramírez Contreras:

Sie spielten mit der Gift-Erde, wie wenn es ein Sandkasten gewesen wäre. Es bildete sich ein kleines Schwimmbad und sie gingen in der grossen Pfütze schwimmen.

Ein Teil der Gift-Erde ist heute in einem „Grab“ untergebracht, das heute weit weg in den Bergen liegt, aber nur mit einer Erdschicht abgedeckt ist. Es wurde nichts versiegelt. Es fehlt ein Dach, und jede Nacht kommt von dort eine Giftwolke über Arica.

Leute, die Informationen über den Fall geben können:

  • Miguel Ramirez Cornejo, Präsident der Nachbarschaftsversammlung, ramirez_cornejo@hotmail.com
  • Teresa Carasco
  • der Führer Oscar
  • Gladys de las Mercedes Ramirez Contreras, Passage 2 Nr. 74, Villa El Solar, Arica
  • der regionale Bürgermeister Fernando Castillano

Angaben von Betroffenen vom Kartoffelberg (Cerro Chuño) in Arica

Die Kinder wachsen auf und es verformen sich ihre Knochen und so wachsen sie nicht, obwohl viele Operationen gemacht werden. Die Kinder wachsen nicht, sondern bleiben klein, und das Lungenvolumen ist reduziert, und als Erwachsene sind sie nicht arbeitsfähig.

Darunter sind Kinder, die gesund geboren wurden und erst im Laufe der Zeit durch den Aufenthalt am Kartoffelberg erkrankten.

Alle betroffenen Kinder am Kartoffelberg leiden unter einer herabgesetzten Psychomotorik. Sie haben Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis und mit der Aufmerksamkeit.

Die Mehrheit der Kinder können wegen Knochenschmerzen keinen Sport treiben. Diese Knochenschmerzen kommen von niedrigen Kalkkonzentrationen in den Knochen.

Das Haus von Teresa Tarasco mit der rosaroten Gift-Erde

Als ein Wasserhahn oberhalb ihres Hauses nicht mehr schloss, hatte Teresa Tarasco in ihrem Haus eine Überschwemmung, und die mitgeschwemmte Erde verfärbte sich rosa. Ausserdem war eine Schaum-Reaktion zu beobachten.

Wir kehren zum Haus des Regio-Bürgermeisters der Familie Maibé zurück

Angaben der Familienmutter, Marisol Maibé:

  • viele Leute am Kartoffelberg leiden unter dauerndem Nasenbluten
  • viele Frauen erleiden Fehlgeburten mit versteinerten Föten oder Totgeburten
  • Menschen leiden unter Fibrose
  • Menschen leiden unter fibrozystischer Mastopatie
  • Menschen haben Augenprobleme
  • Menschen leiden unter schmelzendem Magengeschwür

Beispiele von Tests auf Blei und Arsen am Kartoffelberg (Cerro Chuño)

Der Fall der Tochter Eliah Pizarro Curbajal, Pasaje 2, Nr. 112

Ausschlag ohne Ende, rosa Hautflecken, Knochen- und Gelenkschmerzen

Wir gehen zur „Aussichtsplattform“ („mirador“), um zu sehen, wo die Gift-Erde war

Panorama Ex-Lagergebiet der Gift-Erde
Sicht auf das Ex-Lagergebiet der Gift-Erde, Panoramafoto

Dies ist das Territorium, wo die Gift-Erde über 10 Jahre lang gelagert wurde. Nun wurde um das Gebiet eine Mauer gebaut, aber zuvor, als die Erde dort lagerte, war dort keine starke Mauer und schon gar keine Wache. Das Territorium ist weiterhin nicht versiegelt und weiterhin verpestet der Staub dieses Territoriums den Kartoffelberg.

Der Markt auf dem Kartoffelberg („mercado Chuño“) und Graffitis

Der Fall von Alex Olivos Maibé, 17 Jahre alt

Darmprobleme, Knochenprobleme, Augenprobleme, ein taubes Ohr

Der Fall von Diego Giovanni Astudillo Maibé, 12 Jahre alt

Hautflecken mit einer unbekannten Allergie

Diego Giovanni Astudillo Maibé, Hautflecken überall
Diego Giovanni Astudillo Maibé, Hautflecken überall

Der Fall von María Cristina: Rosa Hautflecken ohne Ende

Dokumente von Patricia Loayza Gonzales

Liste der Betroffenen
Die Liste mit den betroffenen Personen, Nahaufnahme

Das Pulver aus Fossilien und Meermuschelschalen, um Metalle auszuleiten

Weitere geschilderte Fälle und Symptome:

  • nephrotisches Syndrom bei Kindern
  • Nierenschwierigkeiten, Aggressivität, Hyperaktivität, Bronchitis
  • behinderte Kinder und Enkel
  • Lernschwierigkeiten, Epilepsie, chronisches Asthma, Haarausfall
  • Arthritis bereits bei Jugendlichen
  • geschädigte Muskeln und starke motorische Einschränkungen

Auch Tiere und Pflanzen sterben auf dem Kartoffelberg „Chuño“

Katzen und Hunde sterben auf dem Kartoffelberg durch die Vergiftung durch die Gifterde. Auch Katzen und Hündinnen erleiden Fehlgeburten. In dieser Erde wächst nichts, keine Bäume, keine Pflanzen, keine Blumen.

Ein Loch in einer Strasse, die auf der Abfallhalde gebaut wurde
Ein Loch in einer Strasse, die auf der Abfallhalde gebaut wurde

Es verhält sich so, dass sich der Abfall in der Abfallhalde immer etwas bewegt, wenn die Leute ihre Bauten darauf bauen, und somit bilden sich dann in den Strassen immer wieder neue Löcher.

Weitere Fälle, die hier nicht mit Fotos gezeigt sind

Versteinerte Föten, tote Föten, abgehende Föten und Totgeburten sind hier nicht mit Fotos dokumentiert, weil keine Zeit mehr blieb. Von diesen Fällen hat die Bevölkerung aber ausgiebig berichtet. Die Dokumente zu diesen Fällen befinden sich in den Spitälern von Arica.

Die Föten gehen zum Beispiel im vierten Schwangerschaftsmonat verloren, oder der Fötus ist gar nicht ausgebildet und wird als unbeschreibbare Masse abgestossen.

Zusammenfassung

In Arica ereignet sich durch die Gifterde der Firma Promel mit ihren 14 Metallen eine schwere Gesundheitskatastrophe. Die Erde wurde als „ungiftig“ bezeichnet („no es tóxico“), obwohl die Folgen für die Bevölkerung, Tiere und Umwelt verheerend sind. Auch die Herkunftsfirma „Boliden“ wird als mitverantwortlich dargestellt, weil diese Erde nach Chile geschickt wurde.

Quellen

[web01] Fibrose: http://de.wikipedia.org/wiki/Fibrose
[web02] Mastopatie: http://de.wikipedia.org/wiki/Mastopathie
[web03] Nephrotisches Syndrom: http://de.wikipedia.org/wiki/Nephrotisches_Syndrom