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Diskriminierung und Raub an den Mapuche-Ureinwohnern in Chile

Systematischer Landraub mit Zwangsdeportation auf ärmere Böden - Diskriminierungswelle und Psycho-Terror unter Pinochet gegen die Mapuche - Mapuche-Delegiertenversammlung 2003 - etwas mehr Gleichberechtigung - sozio-ökonomischer Rassismus - Manipulationen - Ethno-Tourismus - Verbindungen ins Ausland - Amnesty 2007 - "Schulprojekte" - Diskriminierung im Bildungssystem - Anschläge in Araucania -

von Michael Palomino (26.2.2010 - Meldungen)

geschrieben einen Tag vor dem grossen Erdbeben von 2010) - Meldungen

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Die Diskriminierung der Mapuche in Chile mit Zwangsdeportation und Zwangsumsiedlung und Landraub

Zwischen 1860 und 1885 wurden nach neuen Eroberungen der Rassisten-"Christen" viele Mapuche-Ureinwohner zwangsverschleppt, das heisst, die weissen Rassisten-"Christen" behaupteten, der gute Boden gehöre nun den Weissen, und die Mapuche dürften nur auf ärmeren Böden leben. Also wurden alle Mapuche-Einwohner, die auf guten Böden lebten, in Regionen mit ärmeren Böden zwangsdeportiert und zwangsumgesiedelt [web01]

1885 wurden die Mapuche in Argentinien von den weissen Kolonisatoren-Rassisten komplett enteignet, in die argentinische Armee "integriert", oder entführt und in die weissen Städte deportiert und auf weisse Familien "verteilt" bzw. "adoptiert", v.a. in der Region "El Retiro". Die "Adoption" bestand aus Sklaverei im Haushalt [web02].

Ziel der weiss-rassistischen Regierungen Chiles war immer,die Mapuche "in eine Nation zu integrieren, die nicht die ihre ist." So betrieb es auch die dominante, rechte Presse, z.B. die Tageszeitung "Mercurio" [web03].

Die weiss-rassistischen Regierungen in Chile waren also nicht imstande zu erkennen, dass die Mapuche einen kulturellen Reichtum darstellten, sondern sie sollten sich als Rechtlose anpassen, so wie die Eingeborenen in den "USA", bzw. die chilenischen Regierungen regieren bis zu Allendes Zeiten und dann unter Pinochet so rassistisch wie die "USA" [web04].

In Chile begann die Allende-Regierung 1970-1973 mit Landrückgaben an die Mapuche [web02].

Die Pinochet-Regierung liess ab 1973 die Mapuche wiederum systematisch verfolgen.

<Im Laufe der Pinochet-Diktatur wurde das zuvor als unverkäuflich eingestufte Gemeinschaftsland der Mapuche zum Verkauf freigegeben, riesige Ländereien wurden zudem einfach geraubt und diejenigen, die sich für die friedliche Rückgabe einsetzten, waren der Verfolgung ausgesetzt.> [web05]

Die Pinochet-Diktatur machte die Landrückgaben, die unter Allende durchgeführt worden waren, rückgängig und vermachte das Land wieder den Grossgrundbesitzern [web02].

Pinochet agierte also wie ein rassistisch-"amerikanischer" Präsident. Ureinwohner sollten keinen Boden zurückbekommen.

<Pinochets Ausspruch [war]: "Es gibt keine Ureinwohner - Wir sind alle Chilenen". Daraufhin wurden den Mapuche langsam, aber immer weitergehend Rechte aberkannt; die Diskriminierung stieg und ist heute [ca. 2009] noch zu spüren.> [web01]

Nach Pinochets Rücktritt änderten die chilenischen, "demokratischen" Regierungen nicht viel an der Praxis, über Mapuche-Land zu verfügen. Ein Beispiel ist z.B. die italienische Firma Bennetton, die 1990 über 900.000 ha Mapuche-Land zusammengekauft hatte (Vergleich: Zypern hat 925.000 ha). Bennetton betreibt dort planmässig Schafzucht für die Merino-Wolle. Benneton hat das Land eingezäunt, so dass nomadisch lebende Mapuche mit ihren kleinen Schafherden keinen Zugang mehr zum Wasser haben [web02].

Die Reichen in Chile sind v.a. reich
-- wegen der Kupfervorkommen (Kupferminen)
-- durch Arbeit in den Chefetagen der Firmen in Chile [web06].

Gleichzeitig wollen viele Mapuche ihre Lebensform des einfachen Lebensstils nicht aufgeben:

<Es ist offensichtlich, dass jene Mapuche damit auch bei ihrer einfachen Lebensform bleiben und ihren beruflichen Weg nicht in der chilenischen Wirtschaft finden werden, was zwar die Beibehaltung ihrer Traditionen, oft aber auch Armut bedeutet. Aufgrund der relativ starken Bevölkerungszahl (in Chile derzeit ca. 603.000) wandern jedoch viele Mapuche in die grösseren Städte ab (Santiago, Valparaiso, ...).> [web01]


Psycho-Terror gegen Mapuche wegen Hautfarbe, Haarfarbe etc. - Diskriminierung bei Arbeit und Beruf

Konkret: Es kam zu Diskriminierung wegen Nachnamen, wegen dunkler Hautfarbe, oder wegen der schwarzen Haare:

-- Diskriminierung in Schulen mit Belästigungen und Beleidigungen
-- Diskriminierung an öffentlichen Einrichtungen
-- Diskriminierung wegen des Nachnamens bei der Arbeitssuche
-- Mapuche sind in den staatlichen Fernsehsendern nicht vertreten, die Ansagerinnen sind alles Gringo-Blondinen.

Die Mapuche waren nicht die einzigen Opfer des chilenischen Rassismus. Auch Kinder mit bolivianischem Akzent wurden diskriminiert und gehänselt.

Den Lehrpersonen war die Diskriminierung und die Hänseleien egal, nicht so wichtig, oder Massnahmen nützten nichts [web06].

Mapuche-Migranten vom Land, die in Santiago Arbeit suchten, hatten lange nur eine Chance, in Bäckereien zu arbeiten [web06].

Und im chilenischen Militär herrschen bei der Marine und bei den Kampffliegern deutsche Nachnamen vor [web06].

2003: Mapuche-Delegiertenversammlung und gemeinsame Strategie

Im Jahr 2003 fand in der chilenischen Stadt Lota eine erste grosse Mapuche-Delegiertenversammlung statt (Mapuche-Kongress: "Für eine strategische Einheit des Mapuche-Volkes"), um eine eigene Vertretung zu bilden.

Gleichzeitig befanden sich 95 Mapuche als politische Gefangene in chilenischen Gefängnissen.

"zur gleichen Zeit, als in Lota der Kongress tagte, [wurden] zwei Mapuche in Temuco zu je fünf Jahren Haft verurteilt, weil sie sich für die Rückgabe ihres Landes eingesetzt hatten."

Die Rechte der Mapuche waren 2003 immer noch nicht in der chilenischen Verfassung verankert [web05].

Das Gesetz der weiss-"christlichen" Rassisten in Santiago über die Eingeborenen (Ley Indígena N.19.253) und die Nationale Körperschaft für Indigene Entwicklung (CONADI) brachten bisher keine Verbesserung für die Mapuche, u.a., weil rund 400.000 urbane Mapuche nicht berücksichtigt waren [web05], sondern für die Rassisten wahrscheinlich schon als "integriert" galten [web04].

<Auch das grossangelegte staatliche Projekt "Orígenes", das zur allgemeinen wirtschaftlichen, gesundheitlichen und kulturellen Verbesserung der indigenen Bevölkerung Chiles beitragen soll, hat bisher keine wesentlichen Änderungen bewirkt und wird - im Gegenteil - stark kritisiert.> [web05]

Anscheinend sollten die staatlichen Gesetze die Mapuche spalten oder "integrieren" helfen [web04].


2010: Mapuche mit etwas mehr Gleichberechtigung

Die Arbeitssuche für Mapuche ist heute (2010) kein Problem mehr. Wenn sie genügend vorbereitet sind, können sie in jeder Firma arbeiten, oder die Firmen bieten sogar Kurse an [web07].


SOZIO-ÖKONOMISCHER RASSISMUS IN CHILE

Bis heute [2010] ist es so, dass ein Firmenchef einer Putzfrau nicht "Guten Tag" sagt, und hohe Angestellte und niedrige Angestellte essen in Chile in getrennten Kantinen [web06].

Insgesamt bewirkt die Globalisierung aber eine verschärfte sozio-ökonomische Diskriminierung der Mapuche gegenüber der vorherrschenden Wirtschaft des Landes (Geld-Rassismus) [web06].


MAPUCHE WERDEN Z.T. VON EUROPÄERN MANIPULIERT

Gleichzeitig sind in der Mapuche-Bevölkerung immer wieder europäische Manipulatoren am Werk, die die Mapuche gegen die chilenische Regierung aufhetzen. Gemäss Gerüchten soll auch die spanische ETA bei den Manipulationen der Mapuche gegen die chilenische Regierung beteiligt sein [web07].


Wirtschaft: MAPUCHE-ETHNO-TOURISMUS

<Die hartnäckigen Mapuche haben jedoch einen anderen Weg gefunden, um sich zu erhalten und ihr Ansehen zu verbreiten: den steigenden EthnoTourismus. Touristen können in den typischen Ruka (Häuser aus Holz und Lehm) oder in Zelten schlafen und die Lebensform der Mapuche hautnah miterleben - eine Chance, die man sich nicht entgehen lassen sollte.> [web01] siehe die Webseite über das alte Mapuche-Haus "Ruka", das zum Tourismushaus wird.


Mapuche-Verbindungen im Ausland

Die Mapuche haben im Ausland ihre Vereinigungen, z.B.

-- in Stuttgart die Vereinigung "Los Mapuches e.V." [web08]


2007: Amnesty International wettert gegen die rassistische, chilenische Regierung

Am 31.5.2007, im Vorfeld des Schweiz-Besuchs von Chiles Präsidentin Bachelet, reklamierte, Amnesty International, dass in Chile immer noch irreguläre Gefängnisbedingungen und die Diskriminierung der Mapuche herrschen würden, was mit der schweizerischen Aussenministerin Calmy-Rey "diskutiert" werden sollte. Auch Pinochets Amnestie-Gesetz sollte abgeschafft werden [web08].

Die Mapuche-Kinder leiden unter einer starken Diskriminierung im chilenischen Bildungssystem [web09].

"Die Mapuche-Kinder leiden bis jetzt [2010] unter einer starken Diskriminierung im chilenischen Bildungssystem" [web09].

Insgesamt hat das staatlich-chilenische Bildungssystem seit Pinochet nur ein sehr tiefes Niveau, und nur Privatschulen haben ein hohes Niveau. Pinochet liess alles privatisieren, auch das Schulsystem, und so bleiben die staatlichen Schulen ohne Niveau, und nur die teuren Privatschulen bilden die Kinder gut aus. In den staatlichen Schulen von Chile wird nur Lesen und Schreiben gelernt, mehr nicht. An dieser Tatsache hat auch die Demokratisierung des Landes nach Pinochet nichts verändert [web06]. Das ist leider wirklich nicht sehr "demokratisch", sondern das ist die Nachahmung der rassistischen "USA"... [web04]

Eine andere Webseite sagt es deutlich:

<Das Bildungssystem ist weitestgehend privatisiert; wer dazu gezwungen ist, auf öffentliche, günstige Bildung zurückzugreifen, muss eine unzureichende Ausbildung und damit wesentlich schlechtere Berufschancen in Kauf nehmen. Dies hat wiederum die Konsequenz, auch seinen eigenen, künftigen Kindern den gleichen Weg nicht ersparen zu können.> [web01]


SCHULPROJEKTE

Der deutsche Verein "El Cultrún e. V." (Leipziger Strasse 40 (Whg. 1703) 10117 Berlin. Tel: +49 30 20 64 89 54) arbeitet an einer "Schule zwischen zwei Welten" in der Region Forrahue [web09].

Solche "Schulprojekte" nützen aber nicht viel, wenn immer nur die teuren Privatschulen gute Ausbildungen anbieten, denn für die teuren Privatschulen haben die Mapuche schlichtweg kein Geld [web04].


STIPENDIEN: DISKRIMINIERUNG DER MITTELSCHICHT

Stipendien werden in Chile nur unter strengen Bedingungen erteilt:

-- der Stipendienbewerber muss originaler Mapuche sein
-- oder muss aus der Armenschicht stammen.

Also haben Jugendliche der Mittelschicht keine Aussicht auf Stipendien und müssen ihr Studium auf Kredit finanzieren, eine fatale Situation [web06].

Dies sagen auch andere Webseiten:

<Zwar gibt es Stipendien vom Staat, die jedoch bei weitem nicht ausreichend sind. Mit dieser Hilfe werden die Ärmsten unterstützt. Die Leidtragenden jedoch, das sind diejenigen, welche die Unterstützung knapp verfehlen. Ein Universitätsabschluss mit Schulden ist die Folge, wenn sich die jungen Leute überhaupt zu diesem Schritt motivieren können.

Im Angesicht dieser Situation habe ich unwillkürlich die damalige Lage Deutschlands bezüglich der Studiengebühren verglichen. Der grosse Unterschied zu Chile ist jedoch, dass in Deutschland trotz der Gebühren ein Studium für die übergrosse Mehrheit möglich ist; in Chile dagegen bedeutend schwieriger, weil das Einkommensniveau deutlich geringer, die Kosten für Bildung jedoch viel höher liegen. Somit bleiben viele Potentiale ungefördert, was eine erfolgreiche Entwicklung des Landes signifikant hemmt. Die Bildungspolitik steht allerdings kritisch im Fokus, so dass Änderungen zum Positiven erfolgen könnten.> [web01]

Und somit sind die armen Familien der Mapuche automatisch diskriminiert, weil die Mapuche-Kinder keine Möglichkeit haben, eine gute Privatschule zu besuchen, weil den Mapuche das Geld fehlt, bzw. in den Mapuche-Regionen gibt es gar keine guten Privatschulen, weil dort niemand das Geld für Privatschulen hat.

Insofern gibt es in Chile kein "Bildungssystem", sondern es ist ein Verdummungssystem, dem nur die reichen Familien entfliehen können [web04]. Dieses Verdummungssystem entspricht so ziemlich dem "Schulsystem" der "USA". Es fragt sich, wieso die "demokratischen" Regierungen seit Pinochet in Bildungsfragen die "USA" zum Vorbild nehmen und nicht die Schweiz oder Frankreich. Es scheint für die "demokratischen" Regierungen Chiles einfach bequemer, nichts zu tun... [web04]

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Epoch Times online, Logo

24.6.2017: Ein "Entschuldigung" für die Mapuches durch Chiles Präsidentin Bachelet - das reicht nicht
Chiles Präsidentin bittet Mapuche-Indianer um Verzeihung
http://www.epochtimes.de/politik/welt/chiles-praesidentin-bittet-mapuche-indianer-um-verzeihung-a2151351.html

<Im Namen ihres Landes entschuldigt sich die chilenische Präsidentin Bachelet bei den Ureinwohnern der Mapuche. Die Ureinwohner seien "entwertet und diskriminiert" worden.

Die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet hat sich im Namen ihres Landes bei den Ureinwohnern der Mapuche für das ihnen angetane Leid entschuldigt. „Wir haben als Land versagt, deshalb möchte ich das Mapuche-Volk um Verzeihung bitten für die Fehler und die Gräuel, die in unseren Beziehungen mit ihnen und ihren Gemeinschaften verübt oder geduldet wurden“, sagte die sozialistische Staatschefin am Freitag.

Seit der Entstehung der Republik Chile zu Beginn des 19. Jahrhunderts hätten „Identität, Kultur, Land und Lebensart“ der Mapuche nicht den ihnen zustehenden Schutz erhalten. Vielmehr seien die Ureinwohner „entwertet und diskriminiert“ worden.

Bachelet äußerte sich bei der Vorstellung eines Plans zur Entwicklung der südlichen Region La Araucanía, dem Stammgebiet der Mapuche-Indianer. Sie kündigte an, dass sich ein Ausschuss mit den Landforderungen der Ureinwohner befassen werde.

Die Mapuche protestieren gegen Ausbeutung und Zerstörung ihrer ureigenen Territorien in der Region, unter anderem durch Holzunternehmen, die dort seit Jahren Wälder abholzen. Sie verweisen darauf, dass das Land bis zur Ankunft der europäischen Eroberer den Ureinwohnern gehörte. Die jetzigen Besitzer hätten es sich unrechtmäßig angeeignet.

Jahrhundertelang bekämpften die Mapuche die spanischen Konquistadoren, bevor das chilenische Heer sie Ende des 19. Jahrhunderts unterwarf.

Unter der Militärdiktatur von General Augusto Pinochet wurde die nationale Vereinigung der Mapuche-Indianer verboten, ihre Führer wurden verhaftet und ermordet. Heute sind von den 17 Millionen Chilenen nur noch 70.000 Mapuche. (afp)>

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Amerika 21 online, Logo

8.7.2017: Weisse Grossgrundbesitzer zerstören die Existenzen der Mapuche - die Gegenwehr wird tätlich
Menschenrechtsverletzungen im Süden Chiles
https://amerika21.de/analyse/177429/mapuche-suedchile

<Die Spannungen zwischen den indigenen Mapuche und staatlichen Autoritäten und Großunternehmen in Chile halten an.

Immer wieder dringen Stimmen aus dem Süden Chiles in die internationale Öffentlichkeit, die den Behörden Menschenrechtsverletzungen vorwerfen. Dabei geht es meist um polizeiliche oder gerichtliche Maßnahmen gegenüber Angehörigen der im Süden des Landes heimischen indigenen Mapuche. Anfang dieses Jahres sprach auch der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte seine Besorgnis über die Lage in Chile aus. Diese Äußerungen sind Ausdruck von anhaltenden Spannungen zwischen den indigenen Mapuche und staatlichen Autoritäten und Großunternehmen. Die Konflikte im Süden Chiles, die sich daraus ergeben, haben eine lange Tradition und tiefe sozio-kulturelle Wurzeln.

In dem ehemaligen Land der Mapuche, das einen südlichen Teil des heutigen Chiles umfasst, brodelt ein Jahrhunderte alter Konflikt. War dieser einst durch spanische Kolonialherren entfacht worden, entzündete er sich in der jüngeren Vergangenheit vorwiegend durch die Ausbreitung großflächiger Forstplantagen. Dabei stehen sich im Wesentlichen zivilgesellschaftliche Gruppen und Mapuche-Organisationen auf der einen und der Nationalstaat, transnationale Großunternehmen und die regionale Elite auf der anderen Seite gegenüber. Während sich die Mapuche um kulturelle und politische Selbstbestimmung bemühen, fördert der Staat die extraktivistische Wirtschaft und infrastrukturelle Großprojekte im einstigen Heimatland der indigenen Gruppe.

Die soziale Situation in der Araucanía

Die südliche Region der Araucanía ist die am stärksten von den Konflikten betroffene Region des Landes. Allein zwischen Januar und März dieses Jahres seien laut der Arbeitgebervereinigung der Araucanía 16 politisch motivierte Attentate verübt worden. Immer wieder kommt es zu Zusammenstößen, Besetzungen und Sabotageakten. Während Nichtregierungsorganisationen und Mapuche-Organisationen von einer Unterdrückung indigener Kultur, legitimer Gebietsansprüche und indigener Rechte sprechen, sehen regionale Unternehmer und Großgrundbesitzer kleine bewaffnete Gruppen von Terroristen am Werk. Um diesen beizukommen seien eine entschiedenere Durchsetzung des staatlichen Gewaltmonopols bis hin zur Verhängung des Ausnahmezustandes in der Region nötig.

In Chile leben je nach unterschiedlichen statistischen Methoden zwischen 600.000 und 1,4 Millionen Mapuche. Etwa ein Drittel davon ist in der südlichen Region La Araucanía beheimatet. Über 20 Prozent der Bevölkerung bezeichnet sich dort als einer indigenen Gruppe zugehörig. Gleichzeitig gelten 35 Prozent der Bevölkerung in der Region als arm. Dies hängt mit einer extrem ungleichen Verteilung des Bodens zusammen. In Chile verfügt das eine Prozent der größten Bodenbesitzer 74,5 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche.

In der Araucanía wird diese Situation vor allem durch die Ausbreitung der Forstindustrie und infrastrukurelle Großprojekte – oft Staudammprojekte für die Energieproduktion – zusätzlich zugespitzt. Die Plantagen der Forstindustrie machen mehr als 15 Prozent der gesamten Fläche der Region aus. Für die ländliche Bevölkerung bedeutet dies neben dem Mangel an Land auch einen Mangel an Arbeitsplätzen und Wasser (da die schnell wachsenden Arten dem Boden große Mengen an Wasser entziehen) sowie eine hohe Waldbrandgefahr. Während ein Großteil der Nutzflächen der Araucanía den Monokulturen der großen Forstindustrie vorenthalten bleibt, fließen die Gewinne, die durch die industrielle Produktion von Zellstoff aus den zahllosen Bäumen gewonnen wird, nur zu einem äußerst geringen Bruchteil wieder in die Region zurück. Selbst die Steuern fließen an den Fiskus in der Hauptstadt Santiago.

Kleine Diebstähle und große Brände

Das schroffe Nebeneinander von rentablen transnationalen Wertschöpfungsketten und breiter sozialer Unsicherheit führt zu einer permanent konfliktiven Situation in der Region. Vor allem seit den späten 1990er Jahren begannen Mapuche-Organisationen wie die CAM (Coordinadora Arauco-Malleco) die sozialen Probleme mit der Forderung nach einem Anrecht auf ihr angestammtes Land (Wallmapu) zu verbinden. Die CAM stellt in den Augen regionaler Unternehmerverbände und der staatlichen Politik eine terroristische Vereinigung dar, die teilweise bewaffnet versucht, eine vom chilenischen Staat unabhängige Region durchzusetzen. Gleichzeitig hat der Protest der Mapuche nicht nur ganz unterschiedliche Organisationen hervorgebracht, sondern spielt sich auch auf sehr verschiedenen Ebenen ab. Einerseits berufen sich viele Angehörigen der Mapuche auf ein historisches Recht auf ihr Land – wie es auch das „Übereinkommen über eingeborene und in Stämmen lebende Völker“ der ILO enthält. Andererseits hat sich ein Teil der Bewegung auch auf eine vorwiegend kulturelle Rückbesinnung auf die Traditionen und die Sprache der Mapuche konzentriert. Wird letzterer mit zunehmender Akzeptanz begegnet, treffen die sozialen Auseinandersetzungen in der Araucanía nach wie vor – auch unter den tendenziell linken Regierungen – auf harsche Repression. Immer wieder wird von Gewalttaten und Folter gegenüber Angehörigen der Mapuche berichtet.

Das autoritäre Durchgreifen der Behörden betrifft in hohem Maße auch die Proteste, die sich gegen die Forstindustrie richten. Dabei spielt inzwischen weniger das Inbrandsetzen von Plantagen als vielmehr die Zerstörung von Forstmaschinerie ein bedeutende Rolle. Laut einem Interview, das der chilenische Fernsehkanal TVN (Televisión Nacional de Chile) nach eigenen Angaben mit Vertretern der CAM führte, geht es den Aktivisten dabei darum, das Wallmapu (Land der Mapuche) vor den transnationalen und chilenischen Großunternehmen zu schützen.

Von einem der schlimmsten Attentate seit den späten 1990er Jahren sprachen einige Medien, als Mitte März an einem Tag 19 Fahrzeuge abgebrannt wurden. Dabei drohen den Tätern nicht nur lange Haftzeiten, sondern auch Gerichtsverfahren im Rahmen der unter Diktator Augusto Pinochet eingeführten Anti-Terrorismusgesetze. Zudem ist keineswegs immer klar, wer für die jeweiligen Anschläge wirklich verantwortlich ist. Obwohl in der Presse meist Bekennerschreiben von Mapuche-Gruppen auftauchen, bleibt umstritten, ob die jeweiligen Akte wirklich auf diese zurückgehen.

Eine besondere Eskalationsstufe erreichte der Konflikt durch den Tod eines Ehepaars im Jahre 2013. Die beiden Großgrundbesitzer verbrannten in der Folge einer Brandstiftung in ihrem Haus. Bis heute ist der Fall nicht aufgeklärt. Ende Mai dieses Jahres traten die Angeklagten, die für den Tod des Ehepaars verantwortlich gemacht werden, in den Hungerstreik. Sie werfen unter anderem der Staatsanwaltschaft vor, im Rahmen des Verfahrens Geständnisse zu erpressen.

Zu einiger Bekanntheit hat es auch ein Fall einer Mapuche gebracht, die während ihrer Haftzeit ein Kind gebar und angab während der gesamten Entbindung gefesselt gewesen zu sein. Die zweifache Mutter war verurteilt worden, Gegenstände aus einem Fahrzeug der Forstindustrie gestohlen zu haben.

Der Konflikt auf internationaler Ebene

Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) beobachtet einzelne Verfahren in Chile. Kürzlich beschäftigte sich die NGO mit der rechtswidrigen Festnahme und der Folter eines Mapuche-Aktivisten im vergangenen Jahr. Dass die Ermittlungen gegen die Verantwortlichen nun staatlicherseits eingestellt wurden, hält AI für ein fatales Signal. Dies stelle jenen einen Freifahrtsschein aus, die daran arbeiteten, kritische Stimmen abzuwürgen.

"Jahrzehnte der Diskriminierung haben eine tiefe Ungerechtigkeit und Ungleichheit hervorgebracht. Eine angemessene Anerkennung und ein Dialog sind unverzichtbar, vor allem in der Region der Araucanía, in Bezug auf die wir angesichts von Berichten über die exzessive Ausübung von Gewalt und anderer Missbräuche gegenüber Mitgliedern von indigenen Gruppen besorgt sind", sagte am 29. März dieses Jahres der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Zeid Ra’ad Al Hussein.

Während sich Al Hussein um die Rechte der Mapuche sorgt, beteuern die verschiedenen Unternehmen, die im Forstbereich arbeiten, dass sie die eigentlichen Opfer im Konflikt seien. Die Vertreter der Vereinten Nationen hätten nie mit den „wirklichen Opfern des Konfliktes“ gesprochen, so ein Vertreter des Transportsektors. Der Präsident der regionalen Bürgerwehr 'Paz en la Araucanía' (Frieden in der Araucanía) fügt hinzu, dass die UN verstehen müssten, dass der Staat eben auf seine Weise die Ordnung in der Region gegenüber den 'Terroristen' durchsetzen müsse.

Im Land, wo Bäume Menschen fressen

Im 16. Jahrhundert beschrieb Thomas Morus, wie die Durchsetzung von großen Schafsweiden gegen die Kleinbauern in England deren Verarmung hervorbrachte. Die Schafe seien, so der Autor, so gefräßig und wild geworden, dass sie begonnen hätten Menschen zu fressen und Länder, Häuser und Städte verwüsteten und entvölkerten. Derartige Worte, die die Vertreibung der einfachen Bevölkerung von ihren Ländereien vor langer Zeit bildlich machen, könnten auch die jüngste Geschichte des chilenischen Südens beschreiben. Während der Holz- und Forstsektor im Jahr 2015 Güter für mehr als sechs Milliarden US-Dollar exportierte, lebt die Mehrheit der Bevölkerung rund um die Plantagen in Armut. Damit heute junge Bäume rasch wachsen können, mussten die Mapuche, die einst dort wohnten, weichen. Eine Situation die notorisch einen zugespitzten sozio-kulturellen Konflikt stets von Neuem hervorbringt.

Die Aneignung von Weideflächen und Wäldern, die einst von der ländlichen Bevölkerung genutzt wurden, durch profitorientierte Privatunternehmen hat eine lange Geschichte. Was Karl Marx Mitte des 19. Jahrhunderts über die armen Holzsammler in der Pfalz schrieb, könnte auch jüngst über die Situation im südlichen Chile gesagt worden sein: "Man kann unmöglich auf elegantere und zugleich einfachere Weise das Recht der Menschen vor dem Recht der jungen Bäume niederfallen lassen.">






Quellen
[web01] http://www.urlaube.info/Chile/Bevoelkerung.html
[web02] http://www.meinespd.net/weblogs/beitrag/6581
[web03] http://www.mapuche-nation.org/deutsch/html/nachrichten/artikel-05.htm
[web04] Schlussfolgerung Palomino
[web05] http://www.gfbv.it/3dossier/ind-voelker/lota2003.html
[web06] Auskunft einer Chilenin des linken Lagers gegen Pinochet
[web07] Auskunft einer Chilenin des rechten Lagers, bewertet Pinochet überwiegend positiv
[web08] http://www.blogtoplist.com/marketing-seo/blogdetails-2315-2.html
[web09] http://www.cultrun.de/zweites.htm



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